Was ist Borderline?
Was bedeutet Borderline?
Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselnd auftreten.
Grenzgänger oder Grenzlinie als „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ ist ein aus der Psychoanalyse stammendes theoretisches Konstrukt, mit dem versucht wird, eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen zu erklären, die weder in das psychoanalytische Schema einer neurotischen noch einer psychotischen Störung passen. Die Borderline-Störung galt in psychiatrischer Forschung ursprünglich als Begriff, um Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen genauer zu erfassen. Borderline-Persönlichkeitsstörung wird seit dem DSM III auch so genannt.
Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch sehr unterschiedliche Erscheinungen aus. Meist findet sich ein buntes Sammelsurium vieler Diagnosen in der Krankheitsgeschichte.
Symptome:
- Angst-(Vernichtungs-,Verlassenheits-,Trennungsan gst)
- autoaggressives Verhalten
- Depersonalisations- und Derealisationsgefühle
- Depressionen
- Drogenkonsum
- delinquentes Sozialverhalten
- extreme Idealisierungen oder Entwertungen
- Essstörungen
- Gefühlsstörungen
- Hysterien
- Identitätsdiffusion
- innere Leere
- impulsive Reaktionsweisen
- Impulskontrollverlust
- Kontaktvermeidung – plötzliche Kontaktabbrüche
- polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)
- Präventivangriffe
- psychosomatische Symptome
- Realitätsverlust
- Rituale und Zwänge
- Schwarz-Weiß-Denken
- starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen
- Sucht
- Suizidalität
- Zwangssymptome (überwertige Ideen)
Ursachen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)
Eine Borderline-Symptomatik und ihre Manifestationen sind letztlich das Produkt einer komplexen Mischung von angeborenem Temperament, schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und relativ subtilen Formen neurologischer und/oder biochemischer Dysfunktionen.
Entlang diesem multifaktorialen Modell glauben die Forscher, dass 3 Faktoren für die Entwicklung einer BPS notwendig sind: ein Umweltfaktor, ein konstitutioneller Faktor und ein Faktor, der die Interaktion der anderen beiden darstellt oder ein Triggering-Faktor (Auslöser) ist.
Das dreiteilige Modell der Entwicklung einer BPS besteht somit aus
- Umweltfaktor: traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit
- Konstitutioneller Faktor: übersteigertes Temperament
- Interaktionen von 1. und 2. oder auslösendes Ereignis
Laut Aussage von Untersuchungsberichten, hat jeder Patient eine einzigartige Kombination bei der Entwicklung einer Borderline-Störung, die eine schmerzvolle Abwandlung eines unglücklichen, aber gleich bleibenden Themas ist.
1. Umweltfaktor
Er besteht aus einer häuslichen Umgebung, die im weitesten Sinne traumatisch ist. Es gibt 3 Typen umweltbedingter Traumata, die nach Schweregrad abgestuft werden.
Typ-I-Trauma: Kindheitserfahrungen, die als unglücklich, aber nicht vollkommen unvorhersehbar kategorisiert werden können. Dazu gehören: dauerhafte Trennung oder Scheidung der Eltern in frühester Kindheit, chronische Unsensibilität der Eltern, mangelndes Einfühlungsvermögen in die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes – ernsthafte Konflikte in der Familie, die evtl. zu Trennung oder Scheidung führen.
Typ-II-Trauma: – Erfahrungen verbaler oder emotionaler Misshandlungen – Vernachlässigung altersgemäßer körperlicher Bedürfnisse des Kindes durch die Eltern – eingeschränkte Episoden/einschränkende Phasen psychiatrischer Krankheit der Eltern
Typ-III-Trauma: - Erfahrungen unverhohlener körperlicher Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs – chronische psychiatrische Krankheit, Substanzmissbrauch der Eltern – generell chaotisches, dysfunktionales häusliches Umfeld (z. B. Eltern, die sich wiederholt heftig streiten; Geschwister, die sich gegenseitig körperlich angreifen; niemand befolgt die Familienregeln oder achtet die persönlichen Grenzen eines anderen Familienmitglieds). In diesen Familien existiert nur eine unzureichende Rollenzuteilung, und es besteht kaum die Möglichkeit, Gefühle und Erwartungen auszudrücken. Ihr Ausdruck führt nicht zu einer emphatischen oder unterstützenden Antwort, sondern zu Kritik, Vorwürfen oder stößt auf völliges Desinteresse.
Diese 3 Typen des umweltbedingten Traumas, die sich häufig in den Geschichten von BPS-Patienten finden, können abwechselnd oder gleichzeitig auftreten. Neueste Ergebnisse der Forschung zeigen, dass etwa die Hälfte der BPS-Patienten von einem Typ-I- und/oder Typ-II-Trauma in der Kindheit berichteten. Die andere Hälfte berichtete sogar von allen 3 Typen. Bei einem Drittel der Patienten, die von schwerem Missbrauch oder Misshandlungen berichten, kommt dem erlebten Trauma eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer BPS zu. Bei den Übrigen haben andere Faktoren eine bedeutendere Rolle gespielt.
Vorläufig empirisch erforschte 6 Faktoren, die äthiologische Bedeutung für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben:
3 Umweltfaktoren (traumatisierende Kindheitserfahrungen)
- Trennung/Scheidung/Verlust eines Elternteils in früher Kindheit
- gestörte Beziehung zu den Eltern
- Kindheitserfahrungen von Missbrauch oder Misshandlung
Trennung/Scheidung/Verlust eines Elternteils in früher Kindheit Dauerhafte Trennung/Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils kommt bei Borderline-Patienten häufig vor (37 % – 64 %). Dauerhafte Trennung/Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils unterscheidet Borderline-Patienten auffallend von anderen. So berichtete ein signifikant höherer Prozentsatz von BPS-Patienten davon als bei Kontrollgruppen mit Psychose, affektiven oder Persönlichkeitsstörungen. |